Alles paletti: Ernst gesteht Schuss auf Lübcke

Da war es, das frühe Geständnis des Hauptangeklagten im Prozeß, so wie es der Richter empfohlen hatte: „Hören Sie nicht auf ihre Verteidiger, hören Sie auf mich! Ein frühes Geständnis wird belohnt werden“ (sinngemäßes Zitat).

Das sollte doch wohl belohnt werden, ein bereuender Geständiger:

Im Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst den tödlichen Schuss auf den Politiker gestanden. „Ich habe geschossen“, ließ der 46-Jährige vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main von seinem Anwalt erklären. Ernst zeigte Reue für die Tat. „Was ich und H. Ihnen angetan haben, wird immer unentschuldbar bleiben“, erklärte er an die Familie Lübcke gerichtet und bezog dabei seinen mitangeklagten mutmaßlichen Komplizen Markus H. ein. „Was wir getan haben, war falsch. Niemand sollte sterben, weil er eine andere Meinung hat.“ Er habe sich von „falschen Gedanken“ leiten lassen und übernehme dafür Verantwortung. Die Tat bezeichnete er als „feige und grausam“.

Der Verteidigung vom „Beihelfer Markus H.“ wird das nicht wirklich gefallen, dass deren Klient nicht aussen vor gelassen wurde:

Vor einem Ermittlungsrichter schilderte er im Januar den Tathergang wie folgt: Er sei mit H. zu Lübckes Wohnhaus gefahren. Beide hätten den Politiker einschüchtern und bedrohen wollen.

Ob es diesbezüglich Beweisanträge geben wird, um Markus H. an den Tatort zu bringen, das darf nach dem Ausscheiden des Verteidigers Hannig bezweifelt werden.

Hannig fühlt sich ausgebootet, wird aber wohl keine Rolle mehr spielen dürfen.

Die Frage bleibt, ob das 3. Geständnis nun endlich „die ganze Wahrheit“ ist oder eben das Ergebnis einer Absprache zwischen Gericht, Bundesaanwaltschaft und dem NSU-Nebenklageanwalt Mustafa Kaplan, dem jetzigen einzigen Verteidiger vom Ernst.

Ein lesenswerter Kommentar:

da hat der Hannig wohl recht behalten: ein Zschäpegeständnis mit Reue und Schuld gegen Verzicht auf die „besondere Schwere und Sicherheitsverwahrung“
Mal sehen, wann der dumme Ernst begreift, daß der Staat ein höchst unzuverlässiger Vertragspartner ist. Spätestens wenn die Familie meckert, daß niemand die Raten vom Häuschen abstottert und der versprochene Van auch nicht vor der Türe steht…

Selbst wenn Hannig recht behalten würde, ändert das nichts mehr.

Siehe:

Fall Lübcke: Wenn’s bei Staatsschutz zweimal klingelt

Das Narrativ der Anklage wird sich im Urteil bestätigen. Wieder einmal… zumal es eben laut neuestem Gerichtsfunk doch ein geplanter Neonazimord war:

„Ja, das ist so, wie Sie das sagen.“ Schon im April 2019 bei einem Treffen hätten er und H. „das alles besprochen“, gesteht Ernst später leise ein. „Das alles“ soll heißen: Erst würde H. seinen lange vorbereiteten Satz „So, Lübcke, Zeit zum Auswandern“ sagen, dann würde Ernst schießen. Und genauso kam es dann auch.

Alles paletti. Genau so wollten Bundesanwaltschaft und Gericht das hören.

9 comments

  1. Die Tat in Istha haben beide laut Ernst offensichtlich akribisch geplant: In einer abgelegenen Waschanlage im Waldauer Industriegebiet schraubten sie neue Nummernschilder auf Ernsts VW Caddy. Auf Lübckes Terrasse schlichen sich beide an den CDU-Politiker heran, ehe H. sagte: „Es ist Zeit zum Auswandern.“ Eine Anspielung auf Lübckes Aussage auf der Lohfeldener Bürgersammlung zur Flüchtlingspolitik. Dann drückte Ernst ab. Auf der Rückfahrt im Auto sagte H.: „Wir müssen cool bleiben und bis zum Ende pokern.“ Am nächsten Tag schickte er Ernst einen Link zum HNA-Artikel, in dem stand, dass Walter Lübcke tot ist. (Matthias Lohr)
    https://www.hna.de/kassel/frankfurt-prozess-luebcke-walter-stephan-ernst-mitwisser-90019660.html

  2. Ernst war es nicht egal was er sagt. Vielleicht wird seine Familie bedroht. Ich kenne die Methoden persönlich.

    Wieso werden die Überwachungsvideos von der Lübcke-Villa nicht gezeigt??

    Oder wollen die uns jetzt erzählen das es keine gab? Natürlich wurde sein Haus videoüberwacht…

    Also wo sind die Aufnahmen? Die müssten ja sogar den Mord zeigen…

    Was für eine Story soll uns hier wieder aufgetischt werden?

    1. es existieren ja bilder des hauses, darauf kannst du nachschauen, ob es da CCTV Kameras gab oder nicht.
      im übrigen halte ich nichts von der verkündung von wahrheiten…

  3. Es gibt auf Bildern die Kamera zu sehen 🙂

    Auf neuen Bildern (Mit Polizeiabsperrung) wurde sie anscheinend abmontiert.

    Sie befindet sich (bzw. befand sich) über der Terasse am oberen linken Sparren.

    Rechts war die Satschüssel, links die Ü-Cam.

    Wo sind die Aufnahmen?

  4. Es gab da mal den Fall des schwerkriminellen Kay Diesner aus der rechtsradikalen Szene.

    Der Diesner hat 1997 einen Buchhändler von der PDS zum Krüppel geschossen und auf der Flucht dann auch noch einen 34 jährigen Polizisten erschossen.

    Vor Gericht hat der Diesner sich nicht so reuig gezeigt, wie Ernst. Der Diesner hat vor Gericht noch erklärt, „das Bullen zu jenen zählen, denen in den Rücken und in den Kopf geschossen gehört „. Der Staatsanwalt im Prozess hat Diesner als „Einmann Terrorzelle“ bezeichnet. Im Dezember 1997 ist Diesner dann zu Lebenslänglich mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden.

    2013 durfte Diesner dann ein Interview mit der Berliner Zeitung geben. In dem Interview hat Diesner dann seine Abkehr vom rechtsradikalen Gedankengut und der rechten Szene proklamiert. 2016 ist Diesner dann aus der Haft entlassen worden. Zuvor dürfte es die übliche Hafterleichterung und Freigänge gegeben haben. Mittlerweile dürfte er mit neuer Identität und staatlicher Unterstützung und sonstigen Support versehen irgendwo in Deutschland gut und sicher behütet als Antifaschist unter Antifaschisten leben.

    Der Ernst hat ja im Prozess das Opfer nicht beschimpft, wie Diesner das getan hat, sondern hat sich entschuldigt und überaus tiefe Reue bekundet.

    Insoweit hat der Ernst durchaus noch die Möglichkeit, genauso wie der deutlich schwerkriminelle
    Diesner, dereinst noch ein glückliches Leben unter dem Schutz des deutschen Rechts- und Sozialstaats, versehen mit einer neuen Identität in Freiheit zu führen. Die Absicht und den Willen, sich vom rechtsradikalen Gedankengut und der rechtsradikalen Szene abwenden zu wollen, kann ihm ja der fürsorgliche Vorsitzende Richter im Urteil bestätigen.

    Wenn der Ernst während der Haft dann auch noch den Wunsch verspüren sollte, sein Geschlecht zu ändern, dann besteht die reelle Aussicht auf frühzeitigen Freigang, diverse Erleichterungen während der Haft und Entlassung aus der Haft vor 10 Jahren.

  5. Warum tun die so was? Ich scheue ja sogar, mir selbst Gewalt anzutun, nachdem ich erkannt habe, mich in eigener Verantwortung aus elterlicher Traumatisierung zu lösen. Die verbale und körperliche Gewalt, die ich erfahren habe, mündete in ein friedliches Leben. Warum? Ich wollte es so!

    1. Lustig wird es wenn Leute wie Epstein samt ihrer Mittel und Bekanntschaften hinter einem her sind.

      Dann nützt es nichts selbst friedlich zu bleiben selbst wenn man der friedlichste und gechillteste Kiffer ist 🙂

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