Totentanz (von parlograph)

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Ich bin davon überzeugt, daß die Umstellung auf den neuen Staat Leuten wie mir leichter fällt als den Menschen, die im Herbst die Revolution gemacht haben. Diese Menschen werden auch in der Zukunft nur Außenseiter bleiben.“

Ein sächsischer Polizist, der zu Gott fand

Die NSU-Omertà in Sachsen ist eine totale. An ihr beteiligen sich alle: die NPD, die Deutschalternativen und auch Kerstin Köditz mit ihrem nervtötenden „Was wußte der Verfassungsschutz?“. Na, im Wesentlichen vermutlich dasselbe wie sie heute auch, es sei denn, Köditz glaubt nach all den Jahren immer noch, daß Böhnhardt und Mundlos NSU-Morde begingen.

Aber die prosaische Wahrheit ist uninteressant, wenn sie von Rechten instrumentalisiert werden kann. Deshalb ist es gleichgültig, welche Geschichten Smartterror-Chef Volker Lange ihr erzählt.1) Sachsens Schweigekartell spielt das „Wasch mich, aber mach mich nicht naß“ der stalinesken Wuchtbrumme so gut es geht mit.

Denn Köditz zuerst würde tief traurig sein, wenn herauskäme, daß sich Lange seine Ceska nur ausdachte, als Reserve-Ceska für München. Sie könnte es andererseits auch nicht ertragen, gäbe es die Ceska wirklich, aber erst für den Zwickauer Terrorschutt. So sind Frauen eben. Und klar hat bei Terzett niemand versagt, weil niemand je die Absicht hatte, die Jenaer Bombenbastler hochgehen zu lassen, aber Lange deckte da auch kein Killerkommando, sondern einen Honigtopf, der unberührt blieb. Ein Flop also das Ganze.

Nur wie sonst sollte die wehrhafte Demokratie etwas über Mobilisierungspotentiale eines ausgedachten Rechtsterrors erfahren, also das, was auch Köditz am meisten umtreibt? Man belügt die königlich-sächsische Opposition, um sie vor der Wirklichkeit zu beschützen. Das ist Politik und das versteht sogar ein Sparlicht wie Verfassungsschützer Meyer-Plath.

Eben erst hat die gescholtene sächsische Justiz einige zur „Gruppe Freital“ hochgejazzte „Ronnys“ für ein paar Böller auf viele Jahre in den Bau geschickt, ganz ohne Ceskamorde.2) Na bitte, da hat Köditz ihre Gesinnungsjustiz gegen rechts und ihre Rechtsterroristen, und sogar lebend. Und Sachsen seine Strafandrohung für die Antifa. Viel mehr kann der Freistaat nicht tun. Wird die Linke jetzt Ruhe geben? Natürlich nicht. Und da politische Korruption nun mal Geben und Nehmen ist, sonst könnte man sich keine Demokratie leisten, schweigt sie immerhin an anderer Stelle. Gezwungenermaßen.

In Klausur

So funkioniert die oberste Schicht des Schweigens, die es in ähnlicher Weise überall gibt. Aber da ist noch etwas anderes: Um zu verstehen, was darunter passiert, muß man in dieses Schweigen hineinsinken, eins werden mit dem sächsischen Apparat, der rastlos wuselt, um ein mißtrauisches und leicht erregbares Völkchen im Zaume zu halten. Man muß eine Art NSU-Mentalist sein, denken und fühlen wie ein leitender Polizeibeamter unter einem verhuschten Minister Ulbig.

Und man spürt diesen unerklärlichen Druck in Sachsen, schon 2011: Sarrazin, die NPD, der 13. Februar, gestürzte Landesväter, CDU-Filz, Sachsensumpf, der erbitterte Brückenstreit, die ewigen Vorwürfe, Sachsen habe ein Demokratieproblem, all das Hässliche, all die sinnlosen Konflikte vor barocker Kulisse. Ein Gären und Brodeln der trägen Elbe, dessen Ursache niemand kennt oder sich eingestehen will. Dabei könnte alles so schön sein.

Und dann entscheidest du selbst, wie weit du gehen würdest, um diese Sache da in Zwickau und bei den Hinterwäldlern in Thüringen zum Abschluß zu bringen.

Verrückte Ideen haben viele, vor allem die Klugscheißer von drüben, aber wenn es ernst wird, sind entschlossene Macher gefragt. Und das bist du, weil du genau weißt, was geht und was dieses hilflose Ulbig-Männchen braucht. Und du bist bereit, daß man sich da auch die Hände schmutzig macht, wenn es sein muß, nicht die eigenen natürlich; es ist für das Land, für die Demokratie, für den neuen Staat und das ist nun mal deine Aufgabe, die Menschen zu schützen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Dafür mußt du manchmal unkonventionelle Wege gehen, aber gesetzeskonform sollte es sein oder wenigstens so aussehen, damit nicht irgendwann alles an dir kleben bleibt. Was nützen dir Zusicherungen, wenn niemand weiß, ob es nicht eines Tages wieder Demonstrationen gibt in Leipzig und Dresden und vielleicht sogar eine Wende, wohin auch immer. Und auch wenn dann die großen Abrechnungen ausbleiben, wird im Dreck gewühlt. Und da möchtest du nicht zuletzt noch an den Hammelbeinen gepackt werden, sondern als Pensionär auf der Aida in die Sonne blinzeln.

Das ist deine Ausgangslage und irgendwo sitzt da noch der Stachel selbst im geschmeidigsten Gewissen. Was also trägst du mit, sächsischer Polizist, und an welchem Punkt steigst du aus?

Tote zum Leben erwecken für einen bizarren Totentanz und ein paar Knallgeräusche? Ein ausgeliehenes Wohnmobil mit zwei armen Revisionsseelen und Waffenschrott nach Thüringen schaffen in ein Eisenacher Wohngebiet? Eine Zwickauer Doppelhaushälfte in die Luft jagen? Einer alten Frau das Zuhause nehmen? Einen Bankraub anregen und koordinieren? Tatorte und Beweise manipulieren? Eine barbarische Leichenschändung oder gar einen ungesühnten Doppelmord decken?

Wo ist deine Grenze? Was ist wirklich geschehen, das die sächsische Omertà möglich machte?

1) http://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/Raetselraten-um-Neonazi-Waffenkoffer-Was-wusste-der-Verfassungsschutz

2) http://www.spiegel.de/panorama/justiz/dresden-gruppe-freital-verurteilt-so-lief-der-letzte-prozesstag-a-1196692.html

(das Eingangszitat stammt vom Staatsschutz-Polizisten und Antifa-Förderer Rolf Bernd Merbitz)

Edit: Danke, @jjb

(hier isser, danke @anmerkung)

4 comments

  1. Während der öffentlichen Beweisaufnahme am 1. Februar zu Erfurt war unter anderem dieser Dialog zu hören, live, aber nicht in Farbe, denn die Dame wurde anonymisiert und nicht gezeigt. Frau K. vom Verfassungsschutzamt plauderte aus ihrer vergänglichen Tätigkeit. Abgesehen davon, daß es der gefühlt zwanzigste Zeuge war, der aus eigenem Erleben bekundete, daß es einen NSU in Thüringen nie gegeben hat, sich ein solcher von der Antifa aus dem Arsch gezogen wird, ist der nachfolgend geschilderte Aspekt durchaus interessant, der hier leicht gekürzt und verdichtet wiedergegeben wird.

    Aus Sachsen kam bis 2010 oder sogar 2011 eine Regelanfrage nach dem Verbleib von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe, man habe ihnen wichtige Informationen zur Kenntnis zu geben.

    Frau K.: Einen Hinweis auf die später als NSU­Trio bekannt gewordenen Personen hatte ich in dieser Zeit einmal. Und zwar sprach mich eine ebenfalls recht neu im Amt befindliche· Kollegin darauf an, ob mir die sogenannten Jenaer Bombenbastler was sagen würden. Ich habe das wahrheitsgemäß verneint, habe sie gefragt, wie sie zu der Frage kommt, und sie berichtete, dass sie aus dem sächsischen Amt eine wohl Regelanfrage erhalten hatte. Die bezog sich aber nicht auf rechtsextremistische Betätigungen oder Straftaten dieser Leute, sondern es ging darum, eine zustellungsfähige Adresse zu ermitteln. Ich konnte Ihr da nicht weiterhelfen, habe sie dann später gefragt, wie sie damit umging, Und sie meinte, sie hätte sich mit dem Kollegen beraten, die diese Regelanfrage schon kannten; und hat Fehlanzeige erstattet. Und das war dann. für mich auch die einzige. Beschaftigung mit diesem Thema.

    Vors. Abg. Marx: Regelanfrage, sagten Sie, von den sächsischen 13ehörden wegen einer Zustelladresse. Können Sie noch sagen, was da. zugestellt werden sollte?

    Frau K.: SoWeit mir bekannt ist das habe ich aber nur über die Kollegin sollen es G10-Erkenntnisse gewesen sein, die da mitgeteilt werden mussten.

    Vors. Abg. Marx: G 10­Erkenntnisse: Über die drei oder -­­ Ich verstehe es Jetzt gerade nicht so richtig. … Es gibt im G10-Gesetz oder auch sonst gibt es ja dieses Benachrichtigungsgebot, dass man jemanden nach Abschluss einer Abhörmaßnahme eventuell unterrichtet, dass er mal abgehört wordenIst. So etwas?

    Frau K.: Ich denke, das muss es gewesen sein.

    Vors. Abg. Marx: Das vermuten Sie, dass es das gewesen sein könnte?

    Frau K.: Ja. … Ja, die Frage war – und wie gesagt, es war eine Regelanfrage; die kam wohl in regelmäßigen Abständen; wohl seit einigen Jahren ­, ob das Thüringer Amt weiß oder Hinweise auf den Aufenthaltsort dieser drei hat.

    Vors. Abg. Marx: Ja, das ist doch mal interessant. Hier fällt doch immer wieder mal etwas Neues auf.

    Man kann so eine Regelanfrage aber auch regelanfragen, um die Fehlmeldung zu provozieren, also eine Kreuzprüfung zu machen, die auf direktem Wege möglicherweise Argwohn hervorgerufen hätte. Sprich: Die Pappnasen im Thüringer Wald haben immer noch keine Kennung von dem Trio. Merbitz, kannst weiter machen.

    Stilleben (mit ohne drei L)

    https://img1.picload.org/image/dalgrdol/merbitz_kirche_katholisch.jpg

    Von Frommen und Nutzen

    1. 2012:

      Dann wurde es kurios
      Natürlich mussten auch Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt Bescheid bekommen. Und nun wurde es kurios. Die Adressen der drei hatten die Sachsen ja nicht.

      Was also tun? Gleich zwei Mal, 2009 und 2010, fragten die Verfassungsschützer deshalb bei den anderen 15 Landesämtern und dem Bundesamt nach: „Wir bitten … um Ermittlungen zur Feststellung der Aufenthaltsorte oder Wohnsitze der genannten Personen und um entsprechende Mitteilung.“ Doch die Antwort lautete überall: Fehlanzeige.

      Die Sachsen versuchten es sogar beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg. Die erfolglose Bilanz meldete das LfV dem Ministerium. Dies erklärte am 30.11.2010, dass Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt nicht benachrichtigt werden könnten. Die Abhörmaßnahme „Terzett“ war damit abgeschlossen. Ein Jahr später flog das Trio auf.

      https://www.welt.de/politik/deutschland/article109806231/Die-heikle-Verfassungsschutz-Operation-Terzett.html

  2. Da hört sich der Marschner doch gleich doppelt so sinnvoll an, wenn er einen Auslandsaufenthalt vermutet.

    Könnte der ja nochmal erörtern, was dafür spricht.

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