Zum Tag der deutschen Einheit: Die unterwanderte BRD

Sehr sehr lesenswert, was der letzte Innenminister der DDR Peter-Michael Diestel gerade geleakt hat:

Diestel hält die ehemalige DDR bzw. die 5 neuen Länder für „vom Westen okkupiert“, das ist allerdings nicht Blogthema.

Ich war Fan von Franz Josef Strauß, dem Chef der CSU. Politisch konnte der blitzgescheit denken und agieren. Dem haben sie in New York im Puff das Portemonnaie weggenommen und am nächsten Tag hat er die Sozis im Deutschen Bundestag beschimpft. Das war eine Persönlichkeit, wie ich sie mochte.

Krass. Ein nettes kleines Leak. Jedoch wesentlich relevanter bezogen auf das Anliegen dieses Blogs sind folgende Passagen:

„Die Staatssicherheit war zu diesem Zeitpunkt der fähigste Geheimdienst. Die bundesdeutschen Geheimdienste waren im Verhältnis dazu so Kreisklasse.“

Warum war die Stasi so gut?

Weil sie die BRD Staatseliten komplett überwachte:

Die Stasi hat zum Beispiel in den 80er-Jahren alle Telefongespräche von wichtigen bundesdeutschen Politikern, Journalisten und Großindustriellen abgehört, ausgewertet, registriert. Hätte man alles an die Öffentlichkeit geben können, habe ich aber nicht gemacht.

Schade.

Das Wissen, dass ein Bundespräsident für uns als IM Kardinal gearbeitet hat, dass es von dem obszöne Bilder und Informationen über strafrechtlich relevante sexuelle Praktiken gab. So was mache ich nicht. Ich bin kein Verräter. In meinen Büchern habe ich die Decknamen genannt, und die bundesdeutschen Nachrichtendienste wissen das alles.

Wer kann das sein?

Bruder Johannes etwa?

Doch Fragen werfen auch Raus ungeklärte Beziehungen zu östlichen Geheimdienstkreisen und seine Beteiligung an Wendevorgängen wie der Übergabe von Stasiunterlagen auf. Reitmaier ist diesen Fragen nachgegangen und gelangte zu ebenso überraschenden wie brisanten Antworten.

Nachfragen kostet nichts, also haben wir kurz mit dem Auto dieses nie erschienenen Buches telefoniert. Steht auch so einiges drin über Bruder Johannes und die kleinen Jungs, so die Auskunft.

Man darf jedoch davon ausgehen, dass das ein zu heisses Eisen ist für die Lügenpresse.

Wie war denn das mit den Stasi-Akten, wer schützte die Geheimnisse der unterwanderten BRD-Eliten?

Diestel:

Wolfgang Schäuble hatte mir gleich zu Anfang ein paar sachkundige Helfer aus dem Innenministerium geschickt. Dr. Wertebach war mein Berater, der später Verfassungsschutzpräsident, BND-Präsident und Innensenator in Berlin wurde. Der hat diesen Müll gemeinsam mit meinen Mitarbeitern bearbeitet.

Der hat die westdeutschen Akten vernichten lassen?

Das müssen Sie ihn fragen. Aber als die Westdeutschen dann die Gewissheit hatten, dass ihre Akten nicht mehr da sind, haben sie die Ostdeutschen gegeneinander aufgehetzt. Das ist nach meinem Dafürhalten bewusst so gemacht worden, um die Ostdeutschen führungslos zu machen. Jeder helle Kopf wurde mit Stasi-Vorwürfen plattgemacht.

Es war eben ein Anschluß und keine Wiedervereinigung von Gleichberechtigten. Darum gab es auch keine neue Verfassung, obwohl das im Grundgesetz der BRD eigentlich so vorgesehen war.

Wichtig war danach auch, so Diestel, dass man einen Bock zum Gärtner machte:

Aber die Stasi hat Lebensläufe zerstört, das können Sie doch nicht abstreiten?

Jeder Geheimdienst hat die Aufgabe, Lebensläufe zu zerstören. Jeder. Mich kotzen Geheimdienste an, diese wichtigtuerischen Strukturen, die natürlich heute wie gestern Menschenleben vernichtend beeinflussen.

Mit Joachim Gauck, der damals durchgesetzt hat, dass die Stasiakten aus dem Osten offenbleiben, haben Sie einen langen Rechtsstreit geführt. Warum?

Gauck war zu DDR-Zeiten ein Theologe in der Nähe des Staates. Er war kein Widerstandskämpfer. Und er hatte Privilegien: durfte in den Westen fahren, seine Kinder durften aus- und wieder einreisen.

In diesem Zusammenhang sollte man sich in Erinnerung rufen, was wir 2015 geblogt haben über den kleinsten BRD-Geheimdienst:

26. April 2015

die Gauckbehörde – der kleinste deutsche Geheimdienst

Wieso wurde nach der Zwangsvereinigung der deutschen Staaten eigentlich eine Bundesbehörde für die Aufbewahrung der Unterlagen des MfS ins Leben gerufen, statt die Akten des MfS dem Bundesarchiv, einer Stiftung für Geschichte oder einem auf historische Gegebenheiten spezialisierten Einrichtung zu übereignen?

Nun, weil aus den nicht vernichteten Akten möglicherweise Erkenntnisse gewonnen werden können, die bestimmte Ereignisse der Geschichte der alten Bundesrepublik in einem anderen Licht erscheinen lassen, weil sie in Akten des MfS gänzlich anders nachzulesen sind, als in zum Staatswohl lektorierten Publikationen.

Ganz in der Tradition deutscher Geheimdienste nach einem gewonnenen Krieg wurde die Stasi-Unterlagenbehörde nach ihrem ersten Leiter benannt, Gauck.

In der Frühzeit der Bundesrepublik war es die Organisation Gehlen, die den Geheimdienstkrieg gen Osten wieder aufnehmen sollte, in der Frühzeit des großen deutschen Reiches die Gauck-Behörde.

Warum es sich dabei um einen Geheimdienst handelt, geht erstens aus dem Gesetz und zweitens aus dem materiellen Gegenstand der Behördenexistenz hervor. Die Behörde verwaltet Geheimdienstakten. Insofern ist die Behörde nichts weiter als ein Geheimdienst.

Der Zweck des kleinsten deutschen Geheimdienstes ist vom Gesetz geregelt. Insonders in den Paragraphen 7 bis 9 und 44 findet sich der Auftrag der Mitarbeiter dieses Geheimdienstes.

Die Stasi-Behörde hat wesentlich nur zwei Funktionen, die Saat des Brudermordes und der Zwietracht in der (ostdeutschen) Bevölkerung zu säen und jede Aufdeckung von Verbrechen der BRD-Nomenklatura verhindern.

Im Gesetz finden sich die beiden Funktionen unter anderem so wieder:

§ 9 – Herausgabepflicht nicht öffentlicher Stellen

(1) Jede natürliche Person und jede sonstige nicht öffentliche Stelle hat dem Bundesbeauftragten auf dessen Verlangen unverzüglich Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes herauszugeben …

(2) Soweit Unterlagen an den Bundesbeauftragten herauszugeben sind, sind ihm auch Kopien und sonstige Duplikate herauszugeben.

In Paragraph 23 ist dann geklärt, daß sich die Nutzung der Unterlagen ausschließlich auf Tatbestände bezüglich der DDR bezieht.

§ 23 – Verwendung von Unterlagen für Zwecke der Strafverfolgung und Gefahrenabwehr [10]

(1) Unterlagen, soweit sie personenbezogene Informationen über Betroffene oder Dritte enthalten, dürfen in dem erforderlichen Umfang verwendet werden

zur Verfolgung von
a) Straftaten im Zusammenhang mit dem Regime der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik
, insbesondere Straftaten im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Staatssicherheitsdienstes, anderer Sicherheits-, Strafverfolgungs- und Strafvollzugsbehörden sowie der Gerichte…

Die Aufklärung von Verbrechen, die sich die BRD anzulasten, kommt in dem Gesetz nicht vor. Wer doch der Meinung ist, man könne der historischen Wahrheit zum Siege verhelfen, der hat sich geirrt, denn Paragraph 44 ist der, der den Geheimdienstcharakter der von Gauck maßgeblich geprägten Behörde am klarsten zum Ausdruck bringt.

§ 44 – Strafvorschriften

Wer von diesem Gesetz geschützte Originalunterlagen oder Duplikate von Originalunterlagen mit personenbezogenen Informationen über Betroffene oder Dritte ganz oder in wesentlichen Teilen im Wortlaut öffentlich mitteilt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Dies gilt nicht, wenn der Betroffene oder Dritte eingewilligt hat.

Im Grunde ist das eine knallharte Ansage. Alle Stasiunterlagen gehören uns und wehe, ihr posaunt hinaus, was ihr darin gelesen habt, sofern es eng umrissene Tatbestände bezüglich der DDR nach §23 überschreitet.

Nun gibt es ein Problem. Wir werden ja gerne dem Generalbundesanwalt auf die Sprünge helfen wollen, der kürzlich anordnete, die Ermittlungen zum Terroranschlag auf das Oktoberfest 1980 wieder aufzunehmen. Er habe auch vor, in alle rechten Richtungen zu ermitteln, ergoß es sich aus seinem Mund.

Range bezeichnete den Anschlag als das „schwerste rechtsextremistische Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.

Was nun, wenn einige Geheimnisse um den Terroranschlag in den Unterlagen der Staatssicherheit nachzulesen sind, aus Gründen des Staatswohls jedoch weiter geheim bleiben müssen, weil deren Veröffentlichung vom Stasiunterlagen-Gesetz nicht gedeckt sind? Weiß jemand einen topsicheren Tipp, wie man den Range auf den Pfad aufklärerischer Tugend führt, damit er das Verbrechen doch noch gerichtsfest zur Anklage bringen und verurteilen lassen kann?

Wir hätte da einen Tipp. Er möge sich mal genau mit jenem Personenkreis beschäftigen, der eng an das Bayrische Landesamt für Verfassungsschutz und den BND gebunden und unter anderem für die Bewaffnung der Terroristen des Olympiaattentats zuständig war, sowie seine Instruktionen aus einem Ausland erhielt, das nicht östlich der Elbe lag.

Warum bleiben die Namen der Terroristen geheim, die maßgeblich den Bombenanschlag auf das Oktoberfest vorbereitet haben, obwohl sie in Akten des MfS nachgelesen werden können?

Tja, wie verklickert man diesem Generalbundesanwalt, daß es sich bei den schweren rechtsextremen Kreisen um Diener des deutschen Staates handelte, um Beamte, daß er also in diesen Kreisen auf Anhieb fündig werden würde, wenn er Planer, Mitwisser und Täter sucht?

Oder wurde dem GBA genau deswegen wieder Lebensgeist eingehaucht, damit das Verbrechen nie aufgeklärt wird, weil regelmäßig genau das passiert, wenn aus Gründen des Staatswohls Mörder gedeckt werden müssen?

Der Generalbundesanwalt als Institution ist ausschließlich dazu da, die Verbrechen, in die deutsche und ausländische Geheimdienste verwickelt sind, regelmäßig zu deckeln, so sie nicht der Russe zu verantworten hat.

Das ist doch wahrlich ein augenöffnender Blogbeitrag, oder etwa nicht?

Wo muss man die Hintermänner des Oktoberfestanschlages suchen?

Was erklärt das Verschwinden wichtigster Asservaten während der Ermittlungen in Bayern schon 1980?

Wenn das Ermittlungsergebnis falsch ist, dann beseitigt man alle Spuren, die dies beweisen könnten

Es gab im Zuge der Ermittlungen Tausenden von Spuren. Auch die Ermittler, die den Fall 2014 neu aufrollten, überprüften Hunderte von Spuren. Die entscheidenden Spuren, die zu möglichen (Mit-)Tätern führen könnten, wurden jedoch bereits aus dem Weg geräumt.

Vieles, was in den Ermittlungen damals falsch gelaufen war, hatte man als „Pannen“ entschuldigt und erklärt. Das ist bis heute die einzige Erklärung. Dabei zeigen sie jedoch alles andere als Einfühlvermögen, sondern die Bereitschaft zur fortgesetzten Vertuschung.

Nehmen wir einmal an, dass man Zeugenaussagen falsch gewichtet, dass man Spuren übersehen hatte, also all das, was so ganz menschlich ist und eben auch mal gehäuft vorkommen kann.

Warum beseitigt man dann – ohne jede Hektik und Ermittlungsdruck – all die Spuren, die zu weiteren möglichen Attentätern führen könnten?
Warum beseitigt man kurz nach Abschluss der Beweissicherung im Februar 1981 die 48 Zigarettenkippen, die sich in Köhlers Wagen befanden?
Warum beseitigt man die Sprengstoffproben, die Auskunft über deren Herkunft geben könnten?
Warum geht man siebzehn Jahre später (1997) ganz sicher und lässt Fragmente eines abgetrennten Arms „entsorgen“, der am Tatort gefunden wurde?

Nicht schlecht, Wolf Wetzel, allerdings behauptet die Bundesanwaltschaft, das Handfragment niemals besessen zu haben. Es wurde mutmasslich schon 1980 vernichtet, um die falsche Behauptung zu ermöglichen, es sei Köhlers Hand.

All das macht man mit Bedacht und Weitsicht und im klaren Wissen um die Strafbarkeit, denn Beweisstücke müssen aufbewahrt (asserviert) werden, solange die in diesem Zusammenhang begangenen Straftaten nicht verjährt sind. Mord und Beihilfe zu Mord verjähren jedoch nicht. Diese „tickenden Zeitbomben“ mussten beseitigt werden, damit man bei einer Wiederaufnahme des Verfahrens nicht auf diese Spuren zurückgreifen kann.

Münchens Oberbürgermeister Reiter nennt immerhin den wesentlichen Grund für die Einstellung der Ermittlungen:

Die Gründe hierfür liegen sicher insbesondere in den massiven Verfehlungen und Versäumnissen der ursprünglichen Ermittlungen unmittelbar nach der Tat.

sueddeutsche.de vom 8. Juli 2020

These: Die Stasi wusste sehr genau, wer für das Oktoberfestattentat (mit)verantwortlich war, nämlich der Tiefe Staat der BRD West, und es geht um weit mehr als um einen mutmasslich pädophilen Bundespräsidenten, es geht um 13-fachen Mord.

War der von FJS vermittelte Milliardenkredit an die DDR gar eine Erpressung der BRD-Machteliten?

Fest steht, dass Stasi-Generäle gemeinsam mit der BRD-Regierung die Stasi-Akten entschärften.

Wie löst man denn die Stasi auf? …

Mit Markus Wolf und den anderen Generälen und Offizieren des Ministeriums für Staatssicherheit. Das habe ich auch von Anfang an mit meinen Bonner Kollegen abgestimmt.

Auf dass da bloß ja nichts herauskommt, was die Untertanen (Bürger genannt und als „Souverän“ verhöhnt) beunruhigen könnte…

13 comments

  1. Die Geschichten mit dem Bruder Johannes sind in der Tat ein zu heißes Eisen für die Leit- und Qualitätsmedien.

    Gegenwärtig werden die Enthüllungen von Diestel von den Leit- und Qualitätsmedien nicht einmal als Randnotiz erwähnt. Selbst das Compact Magazin erwähnt die seit längerer Zeit bekannten Geschichten um Bruder Johannes in seinem jetzt erschienen Sonderheft Geheimakte Kinderschänder nicht.

    Weitere Enthüllungen und Recherchen zum Thema Bruder Johannes würden zwangsläufig auch zu einer unerfreulichen Kettenreaktion führen. Ziemlich viele Straßen, Plätze, Institutionen, Kindertagesstätten, Senioreneinrichtungen, die den Namen des Bruders tragen müssten möglicherweise umbenannt werden. Die deutsch-israelischen Beziehungen wären beeinträchtigt, schließlich war der Bruder zeitlebens seiner politischen Karriere diesbezüglich sehr engagiert. In diesem Zusammenhang hört man auch die Nachtigall trapsen.

    Möglicherweise müsste man bei weiteren Recherchen auch Geschichten um den Bundespräsidenten Gustav Heinemann ausbuddeln. Bruder Johannes hatte mit dem ja intensive Verbindung innerhalb der SPD und familiär sowieso. Die Frau vom Bruder Johannes (Jahrgang 1956), die Bruder Johannes (Jahrgang 1931)als Kleinkind schon auf dem Schoß geschaukelt haben soll, entstammt ja dem familiären Umfeld Gustav Heinemanns.

    Bundespräsident Gustav Heinemann, der als erster Innenminister der BRD aus dem ersten Kabinett Adenauer wegen der beabsichtigen Aufrüstung der BRD zurückgetreten und aus der CDU ausgetreten ist, hatte in seiner Kindheit und frühen Jugend einen Spielkameraden. Dieser Spielkamerad trug den Namen Wilhelm Zaisser. Wilhelm Zaisser war der erste Minister des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Nach 1949 waren Heinemann und Zaisser nahezu zeitgleich Minister, der eine Innenminister der BRD, der andere Minister für Staatssicherheit der DDR. Es gibt halt Geschichten aus dem realen Leben, die übertreffen jede Verschwörungstheorie.

  2. Ich weiß wirklich nicht, warum das so ist, es gibt Leute die Peter Michael Diestel für eine zwielichtige Figur halten.
    Dabei hat er doch den amerikanischen Traum verwirklicht, vom Melker zum Multimillionär.
    Die Sache ist nur, bei den amerikanischen Reichen weiß man ungefähr, wie die es gemacht haben, Vanderbilt, Rockefeller, Carnegie, Jobs, Gates …
    Aber Diestel?

    In den wenigen Monaten seines Amts als DDR-Innenminister ist er durch extreme Stasi-Freundlichkeit aufgefallen, weshalb man in dieser Zeit öfter das Wort „Stasi-Diestel“ gehört hat.
    Dabei war es gar nicht seine Stasi-Affinität, mit der er aufgefallen war. Ein Großteil der Wendepolitiker kam aus diesem Stall und das wusste auch jeder (oder etwa nicht Genosse Czerny?). Die Besonderheit bei Diestel war seine offene, regelrecht aggressive Parteinahme für die Staatssicherheit und den ganzen alten DDR-Apparat (https://taz.de/Diestel-nimmt-IMs-in-Schutz/!1677460/).

    Seit dem Frühjahr 1990 enthalten seine Erklärungen (auch im verlinkten Artikel der Berliner Zeitung) immer wieder Andeutungen der Art „ich weiß viel, ich kenne die Akten, aber weil ich ein Menschenfreund bin, sage ich nichts“; wenn ihr mir nicht dummkommt (https://taz.de/Diestel-droht-Politikern/!1676666/).
    Wenn man Diestels Reichtum sieht, könnte einem glatt der Verdacht kommen, dass sein freundliches Schweigen von anderen noch freundlicher honoriert wurde. Was natürlich eine haltlose Unterstellung wäre, weshalb ich derartiges nie behaupten, ja nicht einmal denken würde.

    Sein Aussagen sind zweifellos allesamt die Wahrheit, nichts als die Wahrheit.
    Trotzdem bleiben Fragen offen. Zum Beispiel sagt Diestel, er habe zwecks Auflösung der Stasi mit den Leuten geredet, die den Geheimdienst mal aufgebaut haben, z.B. mit Markus Wolf.
    Seit wann weiß Diestel eigentlich davon?
    Warum hat Wolf Diestel beraten (immerhin war seine Verhaftung durch die Bundesbehörden in wenigen Wochen ausgemachte Sache) ohne erkennbare Gegenleistung?
    Wolf war zu dieser Zeit schon einige Jahre Rentner. Mit welchem Status hat Wolf Diestel beraten?
    In welchem Ausmaß und welchem Bereich?
    Ich frage ja nur.

    1. Diestel könnte die Stasi-Generale dazu motiviert haben, und das mit Hilfe des „Grandseigneurs“ Markus Wolf, die gebunkerten Akten über die westdeutschen IM aus Politik und Wirtschaft herauszurücken, damit diese Akten nicht mehr gegen die BRD-Eliten verwendet werden konnten, sondern unter Aufsicht des Geheimdienstchefs Wertebach vernichtet werden konnten. Genau das deutet Diestel an, und so falsch liegt er damit imo nicht. Rau wäre wohl kaum Bundespräsident geworden 1999, wäre Hariolfs Buch rechtzeitig erscheinen…

    2. https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenholz-Dateien

      In der Wendezeit gelangten die Dateien unter nicht genau geklärten Umständen in die Hände des US-amerikanischen Nachrichtendienstes CIA. Dabei handelte es sich um eine ältere Version. Die letzte aktuelle Kopie der Rosenholz-Dateien wurde am 28. März 1990, nach Genehmigung durch den Vorsitzenden des Bürgerkomitees zur Auflösung der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit, vernichtet.

      Laut den Annalen des damaligen Moskauer CIA-Stationschefs Milton Bearden wurden die Rosenholz-Dateien nicht bei der Erstürmung des Ministeriums für Staatssicherheit am 15. Januar 1990 erbeutet. Vielmehr wurde erst nach einer Anfrage des damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush beim CIA-Chef das CIA-Büro in Berlin mit der Beschaffung beauftragt.

      Die nach der Wende von der CIA beschafften Mikrofilme der Agentenkartei der HVA stammen nach Aussagen ehemaliger CIA-Agenten von einem KGB-Offizier.

      [eigentlich waren es zwei KGBler]

      Sjubenko und Prinzipalow starben bald darauf unter mysteriösen Umständen.
      —–
      Diestel möchte seinen Reichtum noch ein paar Stunden genießen. Wieviele? Das liegt an ihm.

      Sachakten (inhaltliche) der HVA sind keine überliefert. Die wurden in der vorgegebenen Zeit vernichtet. Wie man dieses Bürgerkomitee austrickste, darauf ist Großmann all die Jahre sehr stolz gewesen. Was allerdings nicht verhindert werden konnte, daß einige ehemalige Mitarbeiter des MfS ihr Wissen umrubelten.

      Die Liste mit den Mitarbeitern kam übrigens aus der für Personal zuständigen Abteilung und wurde dort von einem Rechenwerk auf Diskette gezogen. Das hat mit Rosenholz nichts zu tun.

      Unterm Strich kamen sie zwar an viele Namen ran, was die aber genau an Infos übermittelt haben, das weiß der Kuckuck. Die etlichen Gerichtsprozesse haben da nichts Verwertbares hinterlassen.

      Insofern stimmt Diestels Einschätzung, daß zumindest die HVA des MfS der beste Geheimdienst der Welt war. Einer der besten allemal. Sie stimmt erst recht 30 Jahre danach.

      Auch Diestel wurde damals heftig über den Tisch gezogen. Er hatte es mit Profis zu tun, denen er nicht ansatzweise gewachsen war.

      1. „Sjubenko und Prinzipalow starben bald darauf unter mysteriösen Umständen.“

        Mysteriös ist nicht nur ihr Ableben.
        Die Vorgeschichte scheint auch nicht ganz koscher. Vielleicht ist sogar alles frei erfunden.
        Wie glaubwürdig ist das, dass die gesamte Personalaufstellung eines international erfolgreichen Geheimdienstes für 75.000$ über den Ladentisch geht?
        Das ist doch lächerlich!

        https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenholz-Dateien

        1. Ich kannte den Mann persönlich, der die dBase Datei aller hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS erstellte. Insofern weiß ich, daß da überhaupt nichts mysteriöses dran war, sondern ausschließlich die für die damaligen Zeit erforderlichen Kenntnisse des Umgangs mit den in der DDR üblichen Softwarepakten. Ich weiß auch, daß sie wußten, daß sie ausgetrickst wurden.

          Die Rosenholzdateien sind ein anderes Infopaket, das die Tätigkeit der HVA widerspiegelt.

          Über Preise kann man nur spekulieren. AK47, tlw. auch AK74, Handgranaten und Mumpeln gingen damals für Schleuderpreise durch den Kasernenzaun, oftmals auch für ausreichend Naturalien.

    3. Interessanter sind möglicherweise die Kontakte, die Diestel schon sehr früh zur Zeit der Wende mit Funktionsträgern der UdSSR in der DDR gehabt hat. Er erzählt ja auch von Kontakten, die er als Jugendlicher/Kind zu „russischen Kindern gehabt hat“ (war in der DDR allerdings nicht die Regel!).

      Schon zur DDR Zeit als Innenminister der DDR soll Diestel laut eigenen Aussagen Wladimir Putin in untergeordneter Funktion als Dolmetscher begegnet sein.

      Was Diestel mit den Funktionsträgern der UdSSR in der DDR in der DDR und bei Visite in Moskau zur Wendezeit besprochen hat, wissen nur Diestel und die sowjetischen Genossen.

      Interview Sputnik vom 7.6.2020

      ab16.40

      https://youtu.be/q0UZqOfZtT8

      Im Interview mit Sputnik gibt es auch Widersprüche zum Interview mit der Berliner Zeitung, die Informierte und Interessierte sofort bemerken werden.

      Abgesehen davon, daß die Informationen, die das Ministerium für Staatssicherheit der DDR hatte, zweifelsohne mit dem KGB geteilt werden mussten, vernebelt Diestel die führende Rolle der KPDSU, des KGB und der militärischen Führung der Roten Armee in der DDR, insbesondere
      auch in der Wendezeit (das machen sie übrigens alle).

      Die Erkenntnisse des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR sind 100% mit dem KGB und den Militärgeheimdiensten der UdSSR geteilt worden, daran kann überhaupt kein Zweifel bestehen. Das MfS konnte niemals und zu keiner Zeit am KGB und der UdSSR vorbei operieren. Deswegen ist Markus Wolf ja auch als ganz junger Mann Chef der HVA geworden, angeleitet und instruiert von den sowjetischen Genossen.

      Warum Wolf Diestel in der Wendezeit „beraten“ hat und mit welchem Status? Nun, vermutlich weil die sowjetischen KGB Genossen Vertrauen zu Diestel gehabt haben und ihm Wolf als vertrauenswürdig empfohlen haben. Diestel ist nicht zufälligerweise Innenminister der DDR geworden.

      Für Diestel hat sich das in jeder Hinsicht ausgezahlt.

      1. Ein Thema, wo man sich richtig schön im Nebel verlaufen kann.

        „Schon zur DDR Zeit als Innenminister der DDR soll Diestel laut eigenen Aussagen Wladimir Putin in untergeordneter Funktion als Dolmetscher begegnet sein.“

        Lt. Wikipedia ist Putin im Januar 1990 zurück in die Heimat. Diestel wurde im April Innenminister.

        Und nun verlasse ich das Nebelland, ist mir zu unübersichtlich und zu viele Stolperdrähte gibts hier auch.

        1. Hat der Diestel im Interview mit Sputnik 7.6.2020 wortwörtlich behauptet:

          „Ich kann mich erinnern, das ich auch mal Putin kennengelernt habe, der war als Dolmetscher oder Übersetzer in der Umgebung von Nowikow dabei….“

          ab 17.30

          https://youtu.be/q0UZqOfZtT8

          Mit dem Botschafter der UdSSR in der DDR, Kotschemasow war Diestel laut Interview „eng befreundet, mit dem ich regelmäßig gefrühstückt habe und alles besprochen habe“ ab 17.40

          Dazu laut Interview persönliche Besprechung mit dem Chef des KGB in Moskau. Diestel ist wohl der einzige offizielle Nichtgenosse in der DDR, der persönlich vom Chef des KGB in Moskau in der Wendezeit empfangen wurde. Interessant wäre zu wissen, an welchem Tag dieses Treffen stattgefunden hat, dazu macht Diestel allerdings keine Angaben.

          Die Staatssicherheit der DDR hatte u.a. mit Wolfgang Schnur und Ibrahim Böhme rechtzeitig Kader für den Übergang in die BRD vorrätig gehabt und eingesetzt.

          Es ist gut möglich, daß der KGB und die sowjetischen Genossen ihrerseits Kader für den Übergang der DDR in die BRD vorrätig gehalten und eingesetzt haben, und zwar unabhängig vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR.

          Diestel ist jedenfalls der einzige in jener Wendezeit gewesen, der einen ständigen exklusiven Zugang zum Botschafter der UdSSR in der DDR und zum Chef des KGB gehabt hat (Eppelmann möglicherweise auch noch).

          Rührend mit anzuhören, wie Diestel in dem Interview von seinem Treffen mit dem Chef des KGB in Moskau schwärmt und wie er diesen lobt. Nachtigall ick hör dir trapsen…..

          Über die tatsächliche Tätigkeit und den Einsatz des Vaters von Diestel als Offizier der Nationalen Volksarmee der DDR und den sonstigen familiären Hintergrund und die damit verbundenen Beziehungen zur DDR Zeit von Diestel wüsste man gerne mehr. Dazu ist man allerdings auf die Angaben lediglich von Diestel selbst angewiesen.

    4. Mir wird es einfach nur schlecht.
      ……und ich traue den “ Politikern“ sprich Verwaltern, heute wie damals, einfach ALLES zu.
      Selbst für normale Menschen Unvorstellbares, Menschenverachtendes und grausames.
      Für diese Monster gibt es keine Grenzen.

  3. https://www.facebook.com/GottfriedCurio.AfD/videos/1217482428623112

    Am 3.10. sprach ich im bayerisch-thüringischen Grenzdorf Mödlareuth auf der Festveranstaltung zum 30. ‚Tag der deutschen Einheit’. Der Ort wurde durch den Mauerbau geteilt – wie Berlin. An diesem geschichtsträchtigen Ort habe ich die friedliche Revolution unter dem Licht heutiger politischer Verhältnisse beleuchtet. Es ist bezeichnend, daß nicht nur alte DDR-Techniken wie Bespitzelung, Meinungszensur und Medienmonopol neuen Aufschwung erhalten, sondern zudem eine politische korrekte Umdeutung der Wiedervereinigung stattfindet, wo Deutsches nicht nur mit Deutschem, sondern am besten gleich mit der ganzen Welt vereint werden soll.

  4. Artikel DIE WELT 14.10.20 „WARUM HONECKER 1980 DIE REGIERUNG SCHMIDT KRACHEND HERAUSFORDERTE“

    Der Artikel thematisiert die laut DIE WELT krachend vorgetragenen Forderungen von Honecker kurz nach der Bundestagswahl und dem Oktoberfest 1980.

    Unter anderem forderte Honecker massiv die Anerkennung der DDR Staatsbürgerschaft und die Abschaffung der „Erfassungsstelle Salzgitter“, wo die BRD Straftaten von DDR Volkspolizei, Grenztruppen und Staatssicherheit registrierte.

    Auffällig ist, daß der Honecker diese und andere Forderungen so krachend und massiv kurz nach der Bundestagswahl und dem Oktoberfest 1980 und in einer Phase der Politik der Entspannung gestellt hat, und zwar wie SED Politbüromitglied Krolikowski behauptete, ohne Absprache mit Moskau.

    Hat Honecker möglicherweise Erkenntnisse der Staatssicherheit über den tatsächlichen Ablauf des Oktoberfest 1980 gehabt und damit die BRD, insbesondere Schmidt und Strauß erpressen wollen/können?

    Auffällig auch, daß das Bundesland Nordrhein-Westfalen unter Führung von Bruder Johannes parallel zu den Forderungen von Honecker unmittelbar danach die finanziellen Zuschüsse des Landes NRW für die Arbeit der Erfassungsstelle Salzgitter gestrichen und eingestellt hat (siehe Artikel Die Welt).

    In Nordrhein-Westfalen gab es seinerzeit ja nicht nur den IM Kardinal, sondern auch noch den Geschäftsführer der Fraktion der SPD im Bundestag, Wienand, der ja ebenfalls für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR tätig war. Wienand war wohl geldgeil und ist von der DDR Staatssicherheit mit Geld gefüttert worden.

    Was hat der Bruder Johannes als Gegenleistung von der DDR Staatssicherheit erhalten? Leckere kleine DDR Jungs/Pioniere?

    Auch im Hinblick auf das Oktoberfest 1980 kann im Zusammenhang mit dem Artikel Die Welt über weitere pikante Erkenntnisse der DDR Staatssicherheit im Hinblick auf den tatsächlichen Geschehnissablauf spekuliert werden.

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