auf einen Kaffee beim Pathologen – Teil 1

Die Anmerkung im Gespräch mit Dr. Börnecke

Prof._Karl-Friedrich_BoerneDr. Börnecke ist einer der bekanntesten Rechtsmediziner Deutschlands, der mit seinen Sonntagsvorlesungen in der ARD eine breites Publikum erreicht.

Auch wenn die sonntäglichen Vorträge selten über das Niveau einer Volkshochschule hinausgehen, in einem ist Dr. Börnecke unschlagbar.

Er hat eine immense Erfahrung in Öffentlichkeitsarbeit.

benekeInsofern war es nur konsequent, den guten Mann die Bitte zu unterbreiten, ob er als forensischer Berater für ein Filmprojekt tätig werden könnte.

Das konnte er, denn wie man rechtsmedizinische Themen in einen Krimiplot verpackt, so daß keiner den Saal verläßt, da ist er einsame Spitze.

Die Idee, rechtsmedizinische Themen etwas umfangreicher in einen Film zu packen, die fand er Klasse. Insofern waren die Beratungstermine gebucht, die im folgenden am Stück referiert werden.
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Dr. Börnecke war ungehalten.

„Sie kommen spät. In der Zeit hätte ich schon drei Leichen obduzieren können.“

„Ich weiß, aber wenn sie sich ausgerechnet ein Café in er Innenstadt suchen, dann dauert es doch, bis man einen Parkplatz gefunden hat.“

„Schön, kommen wir gleich zur Sache, wir haben kein Zeit verlieren. Worum geht es genau?“

„Wie bereits vorab besprochen. Wir wollen eine Dokufiktion drehen. Fiktion im Sinne, daß der Plot frei erfunden ist, Dokumentation vom Stil, der Form her.“

„Ist so etwas überhaupt erlaubt? Sollte man sich nicht doch besser an Fakten halten?“

„Nein, aber das interessiert uns nicht. Uns interessiert ausschließlich der Gehalt an Spannung, der sich aus dem Format ziehen läßt. Fakten bringen wir schon, aber in eine freie Handlung eingebettet. Dadurch hat man mehr Spielraum in der Gestaltung des Stoffs.“

„Schön. Also, was haben sie?“

„Fotos, ganz wenige Gerichtsaussagen, ein paar Polizeiakten, damit wir wissen, wie so etwas überhaupt geht. Mehr nicht.“

Zeigen sie mal.“

Börnecke blätterte den Stapel Bilder durch und vertiefte sich in die ausgedruckten Papiere. Drei Kaffee später zog er Luft.

„Hier wird ein Mord vertuscht, oder zwei. Oder ein Doppelmord. Ist aber unwichtig. Mit dem Material ist nichts zu holen. 5 Minuten, maximal 10, dann ist der Film zu Ende. Kenne sie doch von mir. Die Produzenten hadern mit Rechtsmedizinern im Kriminalfilm. Das ist zu gruselig, zu medizinisch, zu spezifisch, das will im Grunde keiner wissen.“

„Wie kommen sie auf Mord?“

Börnecke wedelte mit einem Blatt Papier.

„Na hier, steht doch alles drin.

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Gegen 13:12 Uhr trafen Frau Prof. Dr. Mall und Dr. med. Heiderstädt vom Rechtsmedizinischen Institut der FSU Jena ein und besichtigten von außen den Leichenfundort. Dabei wurde gegen 13:20 Uhr bei der vorn am Eingang liegenden Leiche eine Pumpgun aufgefunden. … Von der Feuerwehr waren Lichtbilder gefertigt worden. Der Unterzeichner veranlasste die Übernahme der Speicherkarte.
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Um 20 Minuten nach 12 war der Brand gelöscht. Keine Stunde später schlagen die Honorationen der Rechtsmedizin persönlich am Fundort der Leichen auf und dürfen was? Als Koryphäen auf ihrem Gebiet dürfen sie sich ein Wohnmobil von außen anschauen. War das ein Freiluftmuseum des Plastinators?

Jetzt mal unter uns Leichenschlitzern, das ist oberfaul. Keine Chefin der Rechtsmedizin tanzt mit ihrem besten Mann eine Stunde nach einem Leichenfund am Fundort an und macht mit dem einen Museumsrundgang. Das stinkt nach Briefing. Die wurden schlichtweg dorthin beordert, damit man ihnen vor Ort die Marschrichtung für die folgenden Tage mit auf den Weg gibt, eine Richtung, die am Telefon nicht mitgeteilt werden kann, trotz allem dermaßen wichtig ist, die Chefs höchstselbst herbeizuzitieren.

Sowas gibt’s in keinem Russenfilm, aber in einer deutschen Polizeiakte.

Wir merken uns eins. Eine Chefpathologin ist zwar auf Meriten aus, aber die erscheint nicht persönlich am Fundort einer Leiche. Dafür hat sie ihre Leute. Wenn es doch mal passiert, dann haben die Ermittler spezielle Wünsche. Und wenn die binnen einer Stunde zur Vergatterung antreten müssen, dann stinkt das wie ’ne Wasserleiche.

Das zum Ersten.

Wo sind die Fotos der Feuerwehr? Ein Herr Lotz hat die „Übernahme der Speicherkarte“ veranlaßt. Also wo sind die? Das sind die ersten wichtigen Hinweise für die Obduzenten, auf die man nicht verzichten darf.

Oder, um es deutlich zu sagen. Wo kann man das Transkript der ersten Leichenschau der Rechtsmediziner nachlesen, das sie am Fundort auf ihr Diktaphon sprachen? Wo sind die Fotos, die Frau Professor und Herr Doktor im Wohnmobil anfertigten?

Aus Rechtsmedizinischer Sicht wurde der Fall spätestens ab Viertel nach Eins in eine falsche Spur gelenkt, indem die anwesenden Pathologen genau was machen durften? Genau, sich die Wünsche der Ermittler anhören. Mehr nicht. Nix da mit Leichenschau vor Ort und Erstdokumentation. Stattdessen wird die Obduktion auf den nächsten Tag geschoben, was schon mal viele Ergebnisse verwässert. Das wichtigste davon wäre die Ermittlung des Todeszeitpunktes gewesen.

Schlußendlich habe ich in ihren Papieren nirgendwo den Hinweis finden können, daß die Rechtsmediziner zu diesen ersten Minuten am Fundort befragt wurden. Die Chefin ist für das Gericht uninteressant, und ihr Hiwi wird vom Vorsitzenden Richter nach Belanglosigkeiten befragt.

Das zum Zweiten.

In Summe ergibt sich bereits aus diesem kleinen Absatz im Polizeibericht die Absicht der Mordvertuschung.“

„Ließe sich das auch anhand von Indizien präzisieren?“

„Gut. Wenn sie gestatten, dann weihe ich sie in einige Geheimnisse der Rechtsmedizin ein.

Sie müssen dazu nur zwei Dinge wissen. Staatsanwälte sind strohdoof. Die haben keine Ahnung, stellen keine Fragen, wenn doch, dann verstehen sie die Antworten nicht und geben auf der nächsten Pressekonferenz den Dummen. Merken allerdings nur wir Pathologen.

Es gibt dankbare Abnehmer für die Erzählungen der Staatsanwälte. Das sind die Journalisten. Die sind in der Doofheitsskala noch unterhalb der Staatsanwälte angesiedelt, weil denen alles egal ist. Es gibt keinen Journalisten, der rechtsmedizinische saubere Arbeit abliefert. Nicht in diesem Land.

Nun zu unserem Berufsstand. Wir sind im Grunde auch nur Mediziner, nur daß unsere Patienten tot sind. Wir erstellen die Befunde mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, so der Aufwand gerechtfertigt ist. Diese Befunde fassen wir in einem Schriftsatz zusammen und übergeben diesen der jeweils ermittelnden Behörde. Mehr machen wir nicht. Schon gar nicht lehnen wir uns aus dem Fenster. Das gäbe böses Blut unter Kollegen.

Insofern hat der Kollege Heiderstädt vor Gericht alles richtig gemacht. Was nicht gefragt, wird gar nicht erst beantwortet, und was abgefragt wurde, das rezitierte er fast wortwörtlich aus dem Protokoll. Die wenigen Aussagen, die vor Gericht von Interesse waren, die sind Schnulli, nicht zielführend, weil sie nur eines bestätigt haben. Die beiden Männer sind tot. Erschossen.

Warum Mord? Weil vertuscht wird. Ganz einfach. Sie erwähnten im Telefonat, daß es keine Bilder der Auffindesituation gibt, weil die handstreichartig beschlagnahmt wurden. Alle danach entstandenen Fotos entsprechen den Wünschen der Ermittler.

Auch wenn der Obduzent nur das zu Protokoll gibt, was er selber an Arbeit in eine Leiche reinsteckt, so gehören solche Aufnahmen zweifelsfrei zu jenen Informationen, über die ein Obduzent verfügen sollte, damit er mit hinreichend genauer Präzision Todeszeitpunkt und Todesart bestimmen kann.

Frau Professor ist ja Expertin auf dem Gebiet, hat fleißig zum Thema Bestimmung des Todeszeitpunktes geforscht, gegrübelt und geschrieben. Oder lassen. Das weiß man immer nicht so ganz genau.

Wieso unterläßt sie eine solch wichtige Untersuchung auf ihrem Spezialgebiet zu einem Zeitpunkt, der besser geeignet gar nicht sein kann? Da stellt sich sehr wohl die Frage nach ihrer Qualifikation. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, daß die dortigen Rechtsmediziner weisungsgebunden sind und Protokolle nach Wunsch fabrizieren. Ihren Papieren nach stellt sich die Sachlage eindeutig dar. Die beiden Rechtsmediziner waren auf Museumsbesuch und haben gar nichts gemacht. Keine Bestimmung des Todeszeitpunkts, keine Entnahme von Fingerabdrücken, DNA, keine Fotos, kein nichts. Alles Minutensachen, die keine Zeit kosten. Dafür ein netter Schwatz mit den Ermittlern vor Ort.

Frau Professor steht vor noch warmen Leichen und hat die Hände in den Taschen? Da geht wir sofort eine flotte Melodei im Kopf herum.

Wir haben die Hände in den Taschen, wir haben selten so gelacht
Wir sind zwar ziemlich lasche Flaschen, doch wir haben alles durchgebracht
Wir haben die Hände in den Taschen, wir wissen, wie man’s macht.
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Das muß man nicht weiter kommentieren, wenn die Basics der Rechtsmedizin von Rechtsmedizinern in die Tonne getreten werden. Berufsethisch gesehen, grenzt das schon an Leichenschändung, was die anwesenden Rechtsmedizinischer am Leichenwagen alles verabsäumten.

Kenn’se eigentlich schon den Standardwitz staatlicher Leichenfledderer? Nee?. Gut, der geht so.

Stehen zwei Staatsschützer etwas entfernt und beobachten die Szenerie. Scheiße, das sind ja die Pathologen, die da rummachen. So schnell war’n die ja noch nie da.

Keine Angst, die tun nix.

Ende Teil 1

25 comments

    1. Da erste Bild oben links ist Prof Dr. Karl Friedrich Börne. und das folgende ist der „Medical Detectives“ Benecke. Hamwa in etwa die Reihenfolge. Im übrigen ist der Prof Dr. Karl Friedrich Börne das einzigste Highlight in dem ganzen TV-Krampf 🙂

  1. Lieber Thomas (der Ungläubiger), ich hätte Dich gerne als mein eins A bei der Kampftruppe! Ich als blinder Nichtjurist, da ist der eins A wie eine Lebensversicherung. Zurück zur Truppe: Bingo, Bängo, Bongo! Neues Spiel – Neues Glück! Ich kann nur und beweisbare Aktionen und Handlungen bis Anfang 2000 nachweisen. Durch die aktuelle Berichterstattung muss ich davon ausgehen, das sich im Befehlsmodus nichts verändert hat. Das heißt: Alles beim Alten! Hier ein kleiner Bericht aus der Wundertüte der Vergangenheit. Im Jahr 1990 sollte eine El-Al Frachtmaschine von New York – Zwischenladung Köln – nach Israel durch Stinger FIM 92 durch die ganz Bösen abgeknallt werden. Die Stinger sollten über einen Kontaktmann der britischen Rheinarmee mir in Bielefeld für kleines Geld übergeben werden. Ziel: Angriff einer Werwolf-Aktion im besetzten deutschen Luftraum. Dieser Vorfall wurde gemeldet und ist vermerkt beim OK Köln mit Weitergabe an einen Oberstaatsanwalt in Köln. Die Namen aller Personen sind mir bekannt und notiert, wenn eines Tages diese Kiste explodiert. Eingebunden im Rio Scheiße waren MI6, CIA, Mossad und als Pipijungens der offizielle BND. Bitte überwertet nicht den BND. Die NSU ist typisch für die Entsorgung von AA-Aktionen, wo die Uwes für den Nachlassabfall die Bösen spielen müssen – mehr nicht! Was hier im wunderbare Aufklärungsarbeit von euch geleistet wird, ist sowieso der Knaller und in einer späteren Stunde wird dieses auch gewürdigt. Gruß Lothar.

  2. 12.11 Uhr – Brand Wohnmobil
    12.20 Uhr – Menzel vor Ort
    13.12 Uhr – Ankunft Gerichtsmedizin
    So die Lesart.

    Fahrzeit Jena nach Stregda 1 Std 10 min, für 112 km.
    So Google Maps.

    Noch Fragen?

  3. wer immer Zweifel hatte, die sind nun ausgeräumt, denn Zeugenaussagen, die nicht passen, zeigen damit ihre augenscheinliche Unzuverlässigkeit auf.
    Immer wieder faszinierend, wenn man Fachleute bei der Arbeit sieht, siehe Bild
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bild-1032042-844238.html

    Der Mann mit dem Finger aufs Trafohäuschen, zeigt wo es lang geht. Der Fall ist gelöst. Aus den Gesichter der Fachleute, die das Gruppenbild abrunden kann der Leser nun ablesen, dass er auf eigene Denktätigkeit verzichten kann.

  4. genialer Gedanke Herrn Prof Dr. Karl Friedrich Börne einfliegen zu lassen, leider ohne Part für „Alberich“

    Und die „ofizielle“ Bestätigung der Beschlagnahmung der Fotos …

    „Von der Feuerwehr waren Lichtbilder gefertigt worden. Der Unterzeichner veranlasste die Übernahme der Speicherkarte.“

    finde ich nun in „Bd 4-1 Ordner 1 Wohnmobil Allgemeines“ Seite 26

    https://www.visier.cc/wp-content/uploads/2015/02/nsu-akten/Bd%204-1%20Ordner%201%20Wohnmobil%20Allgemeines.pdf

      1. „Die Speicherkarte wurde leer zurück gegeben, …“
        ein fabrikneues Ersatzprodukt oder das „reparierte“ Original???!!!!!

        Bei der unglaublichen Schlampigkeit einiger Staatsdiener … 😀
        Meine Gedanken zu diesem Datenträger möchte ich jetzt noch nicht veröffentlichen und auch hier nicht elektronisch (zum mitlesen für BND, CIA, NSA) äußern.

        Es sei denn die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr waren ebenfalls geschockt als ihnen, z.B. vom Polizeihauptkommissar PHK Peter G. Muster-Mann, ein Rückgabeprotokoll für diesen Chip vorgelegt wurde.

        … gewisse „Denke Denke Platsch-Quatsch Pittiplatsch“ geht nur wen alle/alles in einem sicheren Exil …

        1. “Ausweislich der Asservatenliste der BAO ST TRIO 2011 – RegEA TH zum Fall des schweren Raubes am 04.11.2011 in Eisenach, dort lfd. Nummer 2, wurde die Speicherkarte mit der Bilddokumentation des Brandes im Wohnmobil bei dem Einsatzleiter der Feuerwehr Frank Nennstiel sichergestellt und am 11.11.2011 an einen Herrn Bugge – nunmehr jedoch ohne Bilder – zurückgegeben.

          In der Asservatenliste befindet sich der Vermerk : „wo die Bilder sind ist unklar“.

          Fundstelle: Ermittlungsakte 2 BJs 162/11-2;Asservate Objekt 35; Bankraub Eisenach;
          04.11.2011, Ass-Nr.: 35 – 35.8.2.1.4.0; Seite 9 der gescannten Akte

          https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/02/14/nachtrag-feuerwehrfotos-vom-4-11-2011/

      2. Wir misverstehen uns gründlich.

        Was haben Frank Nennstiel und oder Herrn Bugge mit dem Speicher gemacht?

        Diese Frage bewegt den Herrn Prof Dr. Karl Friedrich Börne.

        Wenn Vertrauensleute des Arbeitskreis NSU diese Hardware gesichert, dann würde ich auch mit nem Lattezaun winken um verstanden zu werden.

  5. Naja, die Frage kam mir auch. Eine neue Karte oder die Alte formatiert? Wobei formatieren nicht gleich formatieren ist. Man glaub nicht, was mit der richtigen Software noch wiederherzustellen ist an gelöschten Daten. Da muss man wirklich Byte für Byte überschreiben.

    Wobei der Vermerk eigentlich richtig absurd ist. „Unklar“ aber nicht unscharf? Was soll das bedeuten? Nicht durchsichtigt?
    Unklares Bild ist ein stehender Begriff.

    PS Falscher Kommentarbereich zu dem Thema

  6. Tatortbefund Bd 4-10 Word Datei Seite 20 (524). Krönleinschuss? Dort liegen aber zwei größere Gehirnteile, daschwischen das Feuerzeug.

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