Götzls NSU-Urteil war kein Ausrutscher?

Die BILD übt sich ja zur Zeit in regierungskritischem Journalismus, hat einen eigenen TV-Sender aufgebaut und produziert neuerdings auch Dokus, unter anderem diese hier:

Info-Text dazu:

Die Ermordung von Parkhaus-Besitzerin Charlotte Böhringer († 59) ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle Münchens: Am 15 Mai 2006 wird die Millionärin in ihrer Penthousewohnung über ihren Parkhaus in München auf unfassbar brutale Art und Weise ermordet – mit 24 Hammerschlägen. Ihr Neffe Benedikt „Bence“ Toth wurde als Täter zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Doch die Familie ist von seiner Unschuld überzeugt, kämpft mit der Bürgerinitiative ProBence für eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Für die Doku-Reihe „Mein größter Fall“ reist BILD-Reporterin Laura Gehrmann in die Vergangenheit von Benedikt Toth: Wie war das Verhältnis zu seiner Tante? Hatte er ein Motiv? Wurden Spuren vergessen? Antworten geben der Profiler Axel Petermann, ehemalige Ermittler, Freunde der Toten, die Familie – und der Verurteilte selbst.

Was fehlt? Es fehlt ein wesentlicher Akteur:

Der inzwischen pensionierte Vorsitzende Richter im Prozess von 2008, Manfred Götzl, der später noch den spektakulären NSU-Prozess leiten sollte, schweigt. Die zahlreichen DNA-Spuren, ein durchaus nachvollziehbares Motiv: Das alles hat Götzl zur Überzeugung gebracht, dass Bence schuldig war. Es nagt aber – wie oft bei Indizienprozessen – ein beklemmender, beweisfreier Gedanke: Dass ein noch Unbekannter ein oder sogar zwei Mal in seinem Leben getötet haben könnte. Dass dafür ein oder auch zwei Unschuldige in Haft sitzen. Und dass der eigentliche Täter frei sein könnte.

Schon merkwürdig, dass Götzl gar nicht bei BILD vorkommt, obwohl er doch durchaus erwähnenswert gewesen wäre.

Der Richter war damals der „Richter gegen Zivilcourage“ Manfred Götzl, vorsitzender Richter im NSU-Schauprozess.

Und diese Urteile haben es in sich, Auszug:

Anfang 2009 verurteilte der Richter den 30-jährigen Informatikstudenten Sven G., der sich mit einem Messer gegen fünf Albaner zur Wehr gesetzt hatte, zu einer Haftstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten. Auch in diesem Fall musste der Verurteilte, der sich in seinem Leben noch nichts zuschulden hatte kommen lassen, die Haftstrafe ohne Bewährungschance antreten. Götzl erkannte zwar auf eine klare Notwehrsituation, empfand aber die Reaktion des Studenten als unverhältnismäßig – eine Sicht, die dieser anfangs nur bedingt teilen wollte, womit er sich offenbar den besonderen Zorn des Richters zuzog, der darauf hin – so die Süddeutsche Zeitung – „sichtlich verärgert“ meinte: „Dass man sich vom Täter zum Opfer macht, haben wir hier noch nicht erlebt“.

Schandrichter Manfred Götzl…

Wahrlich eine Zierde des Rechtsstaats BRD…

Und was macht BILD, dieses „neuerwachte kritische Journalismus-Dingsbums“?

BILD löscht genau diesen Link in seinen Kommentaren, ergänzt um die NSU-Rolle Götzls.

Schön zu sehen dass auch BILD Kommentare zensiert. Weiter so! Mainstream bleibt eben Mainstream…

Wer sich mit diesem interessanten Fall „Parkhaus-Mord“ befassen möchte, dem sei zum Einstieg das hier empfohlen:

Mit Dutzenden Schlägen wurde die schwerreiche Charlotte Böhringer 2006 umgebracht. Die Richter verurteilten ihren Neffen. Doch die Familie glaubt an seine Unschuld. Eine DNA-Spur ist besonders mysteriös.

15 Jahre sitzt er schon, und immer noch hat er nicht gestanden? Obwohl sie ihn mit einer sehr zweifelhaften Methode verhört und endlos bearbeitet hatten?

denen wird das eingeredet, und es werden versprechungen gemacht, die nie und nimmer eintreffen.

Bei Beate Z. hat das aber durchaus funktioniert, ist etwa die Reid Methode schuld an ihrem blödsinnigen und falschen Geständnis?

3 comments

  1. Anwendung in Deutschland

    In der Reid-Methode wurden mehrere deutsche Strafverfolgungsbehörden geschult. So testete das bayerische Innenministerium 1999 diese Methode und führte sie nach kostenpflichtigen Schulungen durch Referenten der Firma Reid in der Kriminalpolizei ein. Sie wurde laut Hinweisen bei Ermittlungen in Kriminalfällen (z. B. im Fall Peggy Knobloch oder in erfolglosen Ermittlungen zur NSU-Mordserie) verwendet.[3]

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